• Donnerstag , 17 August 2017

Heute in Helge’s Welt: „Freundschaften und YouTube“

Mir brennen seit einiger Zeit vor allem zwei Themen auf der Seele und das ist zum einen das große Thema „Freundschaft“ und „YouTube“. Bei Letzterem in erster Linie, wie mit YouTubern umgegangen wird, aber auch wie diese sich innerhalb, aber vor allem auch außerhalb der Plattform präsentieren, quasi im privaten Umfeld.

Was Freundschaften angeht, habe ich eine im Grunde recht einfache Sichtweise, die man folgendermaßen zusammenfassen kann:

  • Freunde sind (neben Familie natürlich) für mich das Wichtigste im Leben
  • Für Freunde tue ich ALLES (!)
  • Versprechen werden niemals gebrochen (außer höhere Gewalt u.ä.)

Ich persönlich muss seit einigen Jahren leider feststellen, dass sich offenbar gerade in diesen Punkten viele Änderungen ergeben haben, in meinen Augen zum Nachteil. Ich kann es gar nicht mehr zählen, wie oft ich von „Freunden“ versetzt, verarscht oder im Stich gelassen wurde. Und damit meine ich jetzt nicht eher flüchtige Bekanntschaften (das sind eh keine Freunde), sondern Menschen, die ich seit Jahren kenne und schätze, mit denen ich auch immer wieder etwas unternehme.

Man verabredet sich irgendwo, derjenige kommt nicht, man wartet, man versucht ihn zu erreichen – teilweise klappt das dann sogar, oh Wunder. Nicht selten wundert derjenige sich dann, warum man damit ein Problem hat, wenn man sich verspätet oder sogar überhaupt nicht kommt.

In meiner Jugend und bis in die 90er Jahre hinein (bin Jahrgang 1968) gab es bekanntlich noch keine Handys/Smartphones, d.h. wenn man sich mit jemandem verabredet hatte und man verspätete sich – kann ja mal vorkommen – gab es in der Regel KEINE Möglichkeit, denjenigen zu kontaktieren. Man musste das dann später persönlich klären. Wollte man jemanden daheim besuchen und es kam etwas dazwischen, musste man erst einmal eine Telefonzelle in der Nähe aufsuchen, hoffen, dass man paar Groschen in der Tasche hatte, und dann anrufen.

Heute aber, wo jedes Kind ein Smartphone dabei hat, wäre es leicht, mal eben durchzurufen oder eine Message zu schreiben. Das passiert aber leider immer seltener, so mein Eindruck – und das deckt sich mit vielen Aussagen von Bekannten.

In meiner Generation, die ohne Handy aufwuchs, ist das noch am ehesten eine Selbstverständlichkeit, dass man Bescheid sagt, heute wird das immer seltener, obwohl die Möglichkeiten extrem viel besser sind als damals. Sich zu verlaufen ist heutzutage eigentlich unmöglich geworden: Navigationssysteme, man kann sich online gegenseitig folgen und es gibt Dutzende Messenger etc. pp.

Auch für den Freund da zu sein ist ein Thema für mich. Für mich immer schon selbstverständlich, erlebe ich es immer wieder, dass auch gute Freunde nur dann bereit sind etwas für mich zu tun, wenn sie in irgendeiner Form selbst dabei auch einen Vorteil haben.

Ganz extrem fällt mir das während meiner Campingwoche vor dem Apple Store auf. Wer da alles aufschlägt und mich in seinem Blog oder sonst wo einbinden will, ist schon erstaunlich. Klar, ich bin da in der Presse mehr oder weniger präsent, also kann man als Blogger da ja auch den einen oder anderen Klick und/oder Abonnent hinzugewinnen und so selbst bekannter werden. An sich ja nicht verwerflich, habe damit auch kein Problem, aber wenn sich derjenige vorher und nachher so gut wie nie meldet, dann denke ich mir meinen Teil.

Auch wenn man einen Freund fragt, ob man sich nicht in der Stadt treffen kann, ggf. was zusammen isst oder ins Kino geht, höre ich bei manchem über WOCHEN immer dieselbe oder zumindest ähnlich klingende Ausreden.

Ist aber ein (befreundeter) YouTuber zeitgleich vor Ort, ist plötzlich Zeit im Überfluss vorhanden, komisch oder?

„Bei manchem (YouTuber) habe ich das Gefühl, er/sie würde für mehr Abos und Klicks seine/ihre Mutter verkaufen. Deren Fans sind nur noch Klick- und Abovieh, sonst nichts.“

Wobei wir beim nächsten Thema wären, YouTube.

Ich persönlich bezeichne mich nicht als YouTuber. Ich habe zwar einen eigenen Kanal, aber dort lade ich nur Videos hoch, die mich selbst interessieren, in erster Linie kommen da Stars aus Film und Fernsehen vor – ich bin nämlich seit Jahrzehnten ein absoluter Filmfreak. Außerdem liebe ich es, bei Filmpremieren am roten Teppich zu stehen und sowohl die Stimmung allgemein, aber vor allem auch Stars aus nächster Nähe zu filmen. Nicht zuletzt ist die jährliche Berlinale ein Pflichttermin für mich, wo ich auch jedes Jahr Urlaub nehme.

Was ich damit sagen will ist, dass mir Abozahlen und Klicks total egal sind, was wohl eher die Ausnahme sein dürfte, denn man erlebt gerade bei mittleren bis größeren YouTubern oft das genaue Gegenteil.

Bei manchem habe ich das Gefühl, er/sie würde für mehr Abos und Klicks seine/ihre Mutter verkaufen. Finde die Entwicklung sehr schade, aber das ist halt auch dem Geschäftsmodell von YouTube geschuldet.

Immer mehr YouTuber fangen auch schnell mal an, abzuheben, wenn sie bekannter werden. Deren Fans sind nur noch „Klick- und Abovieh“, sonst nichts.

Glücklicherweise gibt es auch massig YouTuber, auch große, die das anders handhaben und so geblieben sind wie vorher. Natürlich kann ich gut nachvollziehen, dass wenn ein Schüler oder junger Erwachsener 10.000 und mehr Euro von der Firma X bekommt, dass er da schwach wird, ist ja eine Menge Geld.  Letzten Endes muss das jeder mit sich selbst ausmachen, aber ich persönlich wünschte mir schon, dass YouTube ein anderes Modell fährt, auch wenn gute und auf dem Boden gebliebene YouTuber, die YouTube hauptberuflich nutzen, dann auf der Strecke blieben.

„Glücklicherweise gibt es auch massig YouTuber, auch große, die das anders handhaben und so geblieben sind wie vorher.“

Generell sehe ich die Entwicklung bei YouTube aber nicht so kritisch wie manch anderer. Es gibt ja Millionen „YouTuber“, da ist für JEDEN was dabei, es gibt massig kleine, mittlere und große mit super Content – die Abzocker und charakterlichen Arschlöcher dazwischen (sry) werden das hoffentlich irgendwann noch merken. Aber ich mag die Vielfalt schon sehr: meistens sehe ich mir die Videos von Freunden an, dann immer wieder diverse „Workshops“ oder auch geniale Sänger bei Castingshows.

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