• Freitag , 31 März 2017

„Liam“ – ein tieferer Einblick in das Innere des geheimen Apple-Roboters und Bruders von Siri

Wer die Apple Keynote im März 2016 mitverfolgt hat, wird die Vorstellung des neuen Roboters von Apple sicherlich mitbekommen haben. Sein Name ist Liam und er soll helfen, die Verwertung und Entsorgung der iPhones nachhaltiger zu machen.

Quelle: Mashable.com

Liam ist ein Roboter mit 29 freistehenden Armen und mehreren Stationen. Doch während die meisten Roboter Elektroprodukte anfertigen und zusammenbauen, macht Liam genau das Gegenteil und pflückt zurückgeschickte iPhones wieder auseinander. Zerstörte iPhones – die z.B. nach einem Sturz in die Toilette einen Wasserschaden erlitten – werden zu zwei Vertriebslagern in den USA geschickt und zunächst manuell geprüft. Wenn es Komponenten gibt, die gerettet werden können, werden die iPhones zu Apple’s mysteriöser Lagerhalle befördert, wo Liam schon auf sie wartet und ihnen ein weiter produktives Nachleben schenkt.

Liam’s Mission

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Quelle: Apple

Mit diesem Roboter möchte Apple die Probleme der Konsumelektronik-Industrie angehen. Elektronische Abfallprodukte, besonders die Verschwendung von Batterien und Akkus, bergen für Entwicklungsländer eine große Gefahr, wo viel von dem Abfall gelagert wird. Neben strengeren Gesetzen und stärkerer Kundennachfrage von „grüneren“ Produkten ist die Entwicklung von Recycel-Programmen eine Sache die hier helfen kann.

Liam ist darauf programmiert, dass er ganz vorsichtig die zurückkehrenden iPhones wieder auseinandersetzt. Egal ob SIM Kartenschächte, Kameras oder Akkus – wenn die Komponenten stückweise entfernt werden, sind es einfach alle davon wiederzuverwerten. Traditionelle Elektroschrott-Maschinen zerstören die Geräte nur wild, was es anschließend oft unmöglich macht, verbleibende Einzelteile auf reinem Wege zu trennen oder zu retten.

Liam dagegen trennt das Innere des iPhone mit maschineller Präzision so genau, dass z.B. Glass und Plastik nicht mit Kupferelementen zusammengewürfelt werden. Diese Komponenten können schließlich sogar an Recycling-Händler wiederverkauft werden, die z.B. auf spezielle Materialien wie Nickel, Aluminium oder Kupfer spezialisiert sind und diese für neue Produkte gebrauchen. Einige würden ansonsten Jahrzehnte brauchen um zu verwesen und könnten dabei sogar giftige Abfallprodukte im Erdboden hinterlassen. Da hört sich doch ein Roboter auf jeden Fall um Welten besser an, als den Elektroschrott einfach in eine Mülldeponie zu kippen.

Einige Gruppen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit haben Apple und andere Tech-Unternehmen bezüglich Elektronikabfälle kritisiert, weil gerade solche Unternehmen eigentlich Rekorde sprengen wenn es um Umweltschädlichkeit geht. Auch wenn Liam noch nicht die Massentauglichkeit für die Auseinandersetzung von Produkten bewiesen hat und auch nur für ein Apple-Produkt bestimmt ist, ist es dennoch ein Anfang diese zunehmenden Probleme von Elektroschrott konkret anzugehen.

Und auch wenn der Roboter ein mit vielen Patenten eigenentwickeltes Konzept ist, könnte es trotzdem eine Bemühung darstellen, die aus der Sicht von Apple hoffentlich von anderen Konkurrenten in Zukunft kopiert wird. Bislang kennt Apple kein anderes Unternehmen, welches Elektroprodukte so präzise zerlegt und die Möglichkeit für die Wiederverwertung der Materialien so einfach macht.

Wie funktioniert Liam genau?

Liam’s Name wurde ihm im frühen Entwicklungsprozess von seinen Ingenieuren gegeben. Und nein – Liam steht überraschenderweise nicht für abkürzende Initialen oder so. Apple meinte, dass der Roboter einfach wie ein „Liam“ aussah und der Name demnach passte. Er ist auch kein Roboter der menschenähnlich aussieht oder agiert. Es ist eher ein Fließbandsystem welches umgeben ist von dauerhaften Motor-Geräuschen der Bewegungen und regelmäßiges Klirren der iPhone-Komponenten, wenn sie in Behälter fallen.

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Quelle: Apple

Liam wird als gesamtes System gesehen, welches die Prozesse verbindet. Die Handwerks-Arbeit machen die 29 Roboter-Helfer, wovon einige verschiedenste Bohrer, Schraubenzieher oder auch Saugnäpfe besitzen. Nachdem ein Lagermitarbeiter mehrere iPhones auf das Fließband gelegt hat (wo Platz für 40 iPhones gleichzeitig ist), beginnt der Prozess des Auseinandersetzens, welcher wahrscheinlich Jahre benötigte um perfektioniert zu werden.

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Quelle: Apple

Dieser Roboter entfernt jedes iPhone-Display von dem Rückengehäuse. Die Stücke werden anschließend über ein Band zu der nächsten Sektion transportiert, wo der Akku vorsichtig entfernt wird. Bei diesem Prozess gäbe es für menschliche Mitarbeiter höhere Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, weil der Akku beim Entfernen schnell beschädigt werden kann. Liam dagegen beseitigt hier diesen menschlichen Aspekt des unvermeidbaren Risikos.

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Quelle: Apple

Die Einzelteile werden auf verschiedenen Wegen gesammelt: die Schrauben werden in kleine Rohre abgesaugt und in einem nahegelegenen Behälter aufbewahrt. SIM-Karten Schlitze werden dagegen in ein kleines Gefäß fallengelassen, welches unter dem System liegt. Jede Sektion hat ein kleines Tablet-Display (kein iPad), das die wichtigen Prozesse und den Fortschritt des auseinandergesetzten Gerätes verfolgt. Wenn es bei der Entfernung von Komponenten ein Problem gibt, teilt das Display die Information mit einer „Fehlversuch“-Nachricht mit.

An einige Stationen arbeiten die Roboterstationen auch in Paaren. Wenn ein iPhone zum Beispiel mit Rostbildung zurückgeschickt wird, versucht der erste Roboter fünf Mal die verrostete Schraube zu entfernen, während der zweite bereits zu einer anderen Aufgabe übergeht, ohne den Prozess zu verlangsamen. Apple behauptet, dass Liam eine 97 prozentige Erfolgsrate hat, alle Komponenten zu entfernen.

Apple hat die den Roboterprozess so optimiert, dass bei einem Roboterausfall der gesamte Prozess trotzdem für 30 Minuten weiterlaufen kann, bis Reparaturverstärkung erscheint. Wenn das Problem nicht schnell behoben werden kann, ist es auch anderen Robotern möglich, Aufgaben temporär zu übernehmen, während ein Ingenieur an dem defekten Roboter arbeitet.

Liam beendet eine vollständige Zerlegung eines iPhone alle 11 Sekunden. Über 350 Stück werden jede Stunde demontiert, das entspricht ungefähr 1,2 Millionen iPhones pro Jahr. Wann Liam anfängt zu arbeiten oder ob er sogar schon begonnen hat, wurde von Apple nicht mitgeteilt. Angeblich soll er von Montag bis Freitag laufen und das Wochenende frei bekommen.

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